Was ist Videoaktivismus?

VideoaktivistInnen versuchen, politische Aktionen und Inhalte mit dem Medium Film darzustellen und zu veröffentlichen. Damit wollen sie den AkteurInnen sozialer und politischer Bewegungen eine Öffentlichkeit ermöglichen. Dem Publikum soll damit ein solidarischer Einblick abseits von den üblichen, gewohnten, erwartbaren Formaten der etablierten Massenmedien ermöglicht werden. VideoaktivistInnen begeben sich, soweit es geht, in die Aktion und halten die Kamera nicht von außen drauf. Ihre Perspektive ist ein Teil dessen, was geschieht.

Durch Videoaktivismus soll Einzelpersonen, Gruppen und Strömungen eine Stimme verschafft werden, die sonst nicht oder nur wenig beachtet wird. Ereignisse werden bewusst von den Seiten beleuchtet, die sonst im Hintergrund bleiben. Dadurch wird die Möglichkeit geschaffen, Diskussionen und Auseinandersetzungen anzustossen und voranzubringen.

Videoaktivismus ist eine Form der politischen Praxis innerhalb demokratischer, sozial-emanzipatorischer Bewegungen. VideoaktivistInnen wollen ihr Publikum dazu motivieren, selbst aktiv zu werden. Die Konsumhaltung von ZuseherInnen soll durchbrochen werden.

Die Produktion von Videos ist eine Aktionsform, mit der gesellschaftliche Verhältnisse untersucht, kritisiert und durchschaubar gemacht werden. Formen von Widerstand werden propagiert und diskutiert. Neben dem Produzieren ist auch das öffentliche Vorführen von Videos eine Form des Videoaktivismus.

Kritik an Youtube

Das größte Videoportal ist als kommerzielles Massenmedium des 21. Jahrhunderts prinzipiell zu hinterfragen:

  1. Beim posten eines Videos werden alle Rechte an Youtube, LLC (Limited Liability Company) abgetreten, dieses kann das Video bspw. an Fernsehsender weiterverkaufen
  2. Grundsätzlich kann alles gepostet werden, auch nationalistischer Scheisskram
  3. Es gibt zunehmend Werbung in den Videos selbst bzw. sie wird einfach als Layer darüber gelegt
  4. Y-Tube allein entscheidet über Veröffentlichung & Zensur von Videos

Aktuell wurde am 12. März 2009 ein Video zum Thema “Amoklauf” gelöscht, das die Moral der modernen Gewalt-Schlagzeilen auf die Schippe nimmt (s. Indymedia-Artikel).

Gleichzeitig sind auf Youtube massenhaft Videos abrufbar, welche tatsächlich Gewalttaten (Bsp. deutsche Geschichte) verherrlichen oder weit in Persönlichkeitsrechte von Menschen eingreifen. Trotz mehrfacher Meldung wegen Verstoßes gegen die Nutzungsrichtlinien erfolgt bei vielen dieser Videos jedoch keine Löschung.

Deutlich wird hier die grundsätzliche Problematik von kommerziellen virtuellen sozialen Netzwerken wie Youtube, Myspace, StudiVZ, Facebook, Twitter usw. und deren beliebigen Umgang mit Inhalten. Sänger Mono meinte dazu bereits vor ein paar Jahren in einem Interview. “(…) Du kannst zwar ein bißchen die Farben von Deinem Layout verändern und ein paar konforme Lieder reinsetzen, musst Dich aber letztendlich immer an deren Vorgaben halten und kannst auch davon ausgehen, daß Du selbst nur solches präsentierst bekommst. (…) Die speichern alle Daten und erstellen Benutzerprofile, also wer mit wem befreundet ist, welche Gruppen welche Musik hören, wer sich welches Video anguckt und wer was dazu postet und so weiter. Das geben sie offen zu und kaum jemand hat ein Problem damit oder den Leuten ist es gar nicht bewusst. Weißt Du, was mit den Daten passiert? Wir finden das ziemlich problematisch und machen daher nichts bei Myspace und so. Es sollte freie Alternativen geben.”

Reader Videoaktivismus

Ein Reader vom Netzwerk Videoaktivismus zum Thema mit einem Tutorial zum Verpixeln von Gesichtern, Rechtsin-formationen und anderen wichtigen Dingen, die beim Filmen beachtet werden sollten:

http://www.antenna.nl/organicchaos/training/reader.html.

Netzwerk Videoaktivismus

Das Netzwerk dient dazu, Informationen auszutauschen und sich gegenseitig bei allen Phasen der Videoproduktion praktisch und theoretisch zu unterstützen. Das Webportal gibt Leuten, die an Videoaktivismus interessiert sind, Kontaktmöglichkeiten zu Videogruppen in mehreren Städten.

Website: http://www.videoactivism.de.

Arbeits-Wiki: http://docs.indymedia.org/view/Global/VideoactivistsNetwork.

Kontakt: videoactivism(NIXSPAM)nadir.org (Bitte NIXSPAM durch @ ersetzen)

Ein gutes Beispiel für die Zusammenarbeit im Netzwerk war das gemeinsame Projekt G8-TV (http://g8-tv.org) gegen den G8-Gipfel 2007 in Deutschland.